Lasse Petersdotter

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November 2019
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Ein anderes Sachsen ist möglich

LasseLasse

Im vergangenen Jahr diskutierten wir auf dem Bundesparteitag die kommenden Wahlen. Besonders im Fokus standen Bayern und Hessen. Die in diesem Jahr anstehenden Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg fanden hingegen zu wenig Raum. So zumindest die Position vieler Delegierter. Diese Stimmung erhielt ihre Stimme durch die Sächsin Paula Piechotta, die in einer flammenden Rede für die Relevanz der Wahlen in Ostdeutschland warb und gleichzeitig einen Appell an alle anderen Kreisverbände formulierte, zu unterstützen, wo man nur kann. Auch Amina und ich waren überzeugt, eilten zu Paula und sagten unseren Support zu.

Ein Jahr später war es nun Wochenende soweit und wir fuhren nach Leipzig, um Paula in ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Neben ihrem Vollzeit-Job als Ärztin macht sie bereits seit Wochen Wahlkampf als Direktkandidatin in Leipzig.

Die Ausgangslage ist heute eine andere, als wir es auf dem Bundesparteitag vermuten konnten. Nach der Wahl in Bayern in Hessen, zahlreichen erfolgreichen Kommunalwahlen, einer unfassbaren Europawahl und aktuellen Umfragewerten, die seit Monaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU/CSU und den Grünen darstellen, hat sich auch die Zustimmung in Sachsen merklich verändert. Umfragewerte wie in vielen anderen Bundesländern werden zwar nicht erreicht, mit Blick auf die kurze Parteiengeschichte in Sachsen, sind aber schon zweistellige Umfrageergebnisse eine Sensation.

Von besonderer Ausnahme ist natürlich auch Leipzig selbst. Eine pulsierende Universitätsstadt mit sehr aktiver linker Gegenkultur und antifaschistischem Organisationsgrad. Viele sehen darin einen Grund, warum rechte Bewegungen in Leipzig einen deutlich schwierigeren Stand haben, als in Dresden. Ich teile diese These. 

Mein erster Termin war deswegen auch kein Wahlkampftermin. Direkt nach meiner Ankunft habe ich mich mit dem Netzwerk für demokratische Kultur getroffen. Ein Verein, der sich 1999 in Wurzen gründete, weil die in der Umgebung organisierte Jugendkultur rechts war. So schafften sie ein demokratisches Zuhause im Leipziger Umland und sächsischen Norden, dort, wo es bitter nötig war und ist. Heute berät das Netzwerk für demokratische Kultur gegen Rechtsextremismus und ist immer wieder Angriffen von Neonazis ausgesetzt. Auch auf die Landtagswahl und eine noch weiter erstarkende AfD-Fraktion wird hier nicht spurlos vorbeiziehen.

Bevor es in den Wahlkampf ging, gab Paula uns noch eine kurze Stadtführung. Zeigte uns, wie sehr sich die Stadt verändert hat und trotzdem an der Substanz festhält. Investor*innen, die auf Rendite aus sind, haben teilweise einen schweren Stand. Luxusimmobilien stehen teilweise leer und können sich nicht etablieren. Auch ein Erfolg im Kampf gegen Gentrifizierung. 

Im Wahlkampf mit Paula, Amina, Chatty (Grüne Jugend) und Monika Lazar (MdB für Strategien gegen Rechtsextremismus) zogen wir los. Nach ersten Wünschen eines älteren Herren, dass wir Grünen doch und Gulag gehörten, folgte durchweg positive Resonanz. Es ist ein Erfolg der grünen Kreis- und Landesverbände in Ostdeutschland, dass dies heute möglich ist. Alle Parteien haben in Ostdeutschland verhältnismäßig wenig Mitglieder, umso mehr Aufwand für die Aktiven. Nach der Wiedervereinigung war es für Bündnis 90/Die Grünen zudem besonders schwierig. Während andere Parteien Teile der Blockparteien aufnahmen und auf bestehende Strukturen und Vermögen zurückgreifen konnten, gründeten sich Bündnis 90/Die Grünen quasi neu. Aus einer Bewegung hinein in eine parlamentarische Kraft. Der Start war ungleich schwerer.

Ich, Paula Piechotta, Monika Lazar (MdB) und Amina

Heute wächst die grüne Partei bundesweit massiv, aber nirgendwo so rapide, wie in Ostdeutschland. Die Stimmung für grünere Parlamente in Ostdeutschland ist da. Es ist Zeit, nicht nur mit Sorge in diese Region zu blicken, sondern auch mit Zuversicht und Anerkennung das zu sehen, was dort gerade passiert und wie viele Menschen sich für Veränderung ehrenamtlich einbringen. Denn so wird schnell klar: Ein anderes Sachsen ist möglich. 

Lasse
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