Lasse Petersdotter

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November 2019
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Kitas in Kiel – Anspruch und Wirklichkeit

LasseLasse

Schätzungsweise dreißig interessierte Kieler*innen fanden sich am Samstag, den 24. August in den Räumen des Vinetazentrums in Gaarden ein. Dort moderierte ich eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kitas in Kiel – Anspruch und Wirklichkeit“, die nach den Grußworten von Hannah Wolf, grünes Kreisvorstandsmitglied, begann. Teilneh- mende auf dem Podium waren, neben meiner Fraktionschefin Eka von Kalben, Renate Treutel, Bürgermeisterin und Stadträtin für Bildung, Jugend, Kultur und Kreative Stadt, Susanne Rademacher von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), sowie die Co-Vorsitzende der Landeselternvertretung (LEV) und Mitglied der Kreiselternvertretung (KEV), Yvonne Leidner.

Im Fokus der Diskussionsrunde stand vor allem die Kita-Reform, die zum 1. August 2020 umgesetzt werden soll. Ab diesem Zeitpunkt sollen die Elternbeiträge, anders als bisher, landesweit vereinheitlicht und gedeckelt werden. Für eine 5-stündige Betreuung eines U3-Kindes fallen dann bei einer Betreuungszeit von 25 Std./Woche nicht mehr als 180,00 € für Eltern an, bei einer 8-stündigen Betreuung (40 Std./Wo- che) höchstens 288,00 €. Bei Kindern über drei Jahren belaufen sich die Kosten auf 145,00 € (25 Std./Woche) bzw. 233,00 € (40 Std./Woche). Im Bundesvergleich zahlen schleswig-holsteinische Eltern derzeit die höchsten Kita-Beiträge und je nach dem, in welcher Gemeinde sie leben, unterscheiden sich die Beiträge außerdem zusätzlich. Eine Beitragsdeckelung ist deswegen sinnvoll und notwendig, doch fangen die Probleme leider schon früher an: Bereits die Suche nach einem freien Kita-Platz gestaltet sich schwierig. In Kiel fehlten bis vor Kurzem über 1.000 Plätze und landesweit werde der Bedarf, laut einer aktuellen Studie des Bundesinnenministeriums, nur zu 84 Prozent gedeckt (vgl. NDR). Auch wenn sich die Stadt Kiel sehr darum bemühe, (die aktuelle Zahl an fehlenden Plätzen konnte bereits auf rund 800 gesenkt werden) käme sie gar nicht so schnell hinterher, den Bedarf zu stillen, so Renate Treutel. Die Kitareform sieht des Weiteren vor, den Fachkräfte-Kind-Schlüssel für Ü3-Gruppen von momentan 1,5 auf 2 Fachkräfte bei einer Gruppengröße von 20 Kindern zu erhöhen und strebt damit eine Qualitätssteigerung an. Susanne Rademacher begrüßte diese Erhöhung und sieht darin schon mal einen Anfang, dennoch wies sie darauf hin, dass aus wissenschaftlicher Perspektive eine weitere Erhöhung des Schlüssels nötig sei.

Dies wiederum lässt sich gegenwärtig aufgrund des vorherrschenden Fachkräftemangels nur schwer umsetzen. Zusätzlich zur Kitareform bedarf es einer Attraktivitätssteigerung dieser Ausbildung und der Bezahlung. Yvonne Leidner versicherte der GEW, dass die Eltern sich mit den Erzieherinnen solidarisch erklären und ein gemeinsames Interesse besteht, einen liebevollen und qualitativ hochwertigen Bildungsort für die Kinder sowie einen sicheren und fairen Arbeitsplatz für die Erzieher*innen zu haben. Und genau das ist ja letztendlich auch das Kernanliegen aller Beteiligten.


Alles in allem gestaltete sich die rege Diskussion sehr fachspezifisch, was bei diesem Thema schwer zu vermeiden ist. Die Kita-Reform geht in die richtige Richtung, aber es sind noch, wie so oft in der Politik, einige Punkte offen. Dazu gehört die Bewältigung des Fachkräftemangels und eine Erweiterung der Sozialstaffelung. Die verschiedenen Perspektiven der Diskutant*innen und der hilfreiche Input aus dem Publikum sollten nun weiter in die politische Diskussion auf Landesebene getragen werden.


Quellen:
NDR. 2019. In SH fehlen zahlreiche Krippen- und Kitaplätze. URL: https://www.ndr.de/ nachrichten/schleswig-holstein/Kiel-Stadt-plant-zusaetzliche-Kita-Plaetze,kinderbetreuun- g208.html [letzter Zugriff: 26.08.19].
Schleswig-Holstein. 2019. Kitareform 2020. URL: https://www.schleswig-holstein.de/DE/ Schwerpunkte/Kindertagesstaetten/Kitareform2020/ kitareform2020_node.html;jsessionid=2D3FBB08A628ECB8FCED93A6AE2E279E [letzter Zugriff: 26.08.19].

Lasse
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Comments 1
  • Florian
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    Florian Florian

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    Danke für die Infos und die Zusammenfassung der Veranstaltung.
    Gleichzeitig gibt es in diesem Themenfeld, noch viele weitere offene Fragen, anliegen und Feststellungen, wenn man den deutschen Bildungsanspruch, hinsichtlich Zukunftsperspektiven und Realitätsprognosen anstellt.
    Besteht einer Unterschied zwischen Erziehung,Bildung und Betreuung für Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 6 Jahren im Vergleich zu 7 bis 18?
    Wenn der momentane Konzept schon der Betreuung und Vergütung hinterherläuft hinsichtlich Fachkräfte und Schlüßel, wie soll dabei die Zielsetzung von Bildung und Erziehung erreicht werden, wenn Digitalisierung und eine Ausbreitung der relativen Armut in der Masse der Gesellschaft auf Grund von Arbeits- und Lohnverhältnissen für viele Menschen nicht mit den steigenden Lebenskosten und dem Recht auf Gesunde Ernährung einhergehen kann?

    Wenn also flächendeckende Betreuung als Minimumziel, auf Grund von Überbelastung und Unterbezahlung aus staatlicher Perspektive nur teilweise erreicht wird, bleiben für Bildung und Erziehung zwangsweise weniger Zeiten.
    Gleichzeitig erfordert eine offene zeitgerechte kreative und oder innovative Bildung und Erziehung Kraft, Motivation und Visionen. Das Humankapital eines Volkes steht immer im Zusammenhang mit dem Zeitgeist und der Aufklärung über die Möglichkeiten der Welt und bietet für jede Generation Optionen und Lösungen für gesündere, nachhaltigere und effizientere Gesellschaftsstrukturen.
    Mehr Sinn noch, als nur in die Verbesserung der Ausbildungssituation des Fachpersonals zu investieren, wären vielleicht noch zusätzliche Reformansätze hinsichtlich Quereinsteiger und Personalstammerweiterungen in den sozialen Einrichtung, denn heterogene Arbeitsplatzsituationen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch realitätsnähere Bildungsorte in Kitas oder anderen Einrichtungen schaffen. Gleichzeitig würden allgemein bessere Vergütungsmodelle und ein Abbau der gesellschaftlichen Unterschicht, viele Berufsbilder harmonisieren und gleichzeitig jungen und alten Menschen mehr Teilhabe an Gesellschaft und Kultur erlauben. Je mehr Zeit-Aufklärungs-Bildung dabei im Hintergrund der Personen stattgefunden hat, desto größer das Produkt an Nachhaltigkeit und sinnvoller Selbstbestimmung. Je früher der Kontakt für Kinder und Jugendliche mit kreativen, motivierten, bewussten Menschen, desto höher die Chance auf WinWin-Potenzial für Staat und Individuum.
    Aber vielleicht auch Utopie, wenn das Recht auf Bildung erst ab 6 Jahren mit Beginn der Schule startet. Auf jeden Fall, betrifft es Kindergarten,Schule und Universitäten.