Lasse Petersdotter
August 2019
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Meine Besuche in Tierheimen – Am Rande der Gemeinde, aber in der Mitte der Gesellschaft

Mirjam LiggefeldtMirjam Liggefeldt

Ein Tierheim findet man nur, wenn man ein Tierheim sucht. Dieses Bild hat sich auch bei meiner Tour, auf der ich zahlreiche Tierheime in Schleswig-Holstein besucht habe, erneut bestätigt. Ein Tierheim wird selten in das Zentrum einer Stadt oder einer Gemeinde platziert, sie befinden sich immer am Rande des Ortes. Das hat auch gute Gründe, insbesondere das Bellen der Hunde kann für Nachbar*innen zur Belastung werden. Allerdings führt diese örtliche Ferne auch zu einer gewissen gesellschaftlichen Ferne. Dabei gehört das Bellen in der Regel zu einem Tier, das einmal ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft war. Oft sind es die Haustiere, die Halt gegen Vereinsamung bieten.

Als ich zu Beginn der Legislatur den Bereich Tierschutz übernommen habe, war es mir wichtig, einen Fokus auf die Tierheime und die Heimtierhaltung zu setzen. Es ist ein Bereich, in dem ich persönlich viele Erfahrungen bereits aus früher Kindheit sammeln konnte und mich sicher gefühlt habe. Aber auch, weil dieser Bereich politisch selten im ganz großen Rampenlicht steht. Außerdem hatte ich die Hoffnung, dass es hier in einer Koalition mit CDU und FDP eher möglich ist, Fortschritte zu erreichen, als es bei einigen tierschutzpolitischen Fragestellungen in der sog. „Nutztierhaltung“ denkbar wäre. Und die Hoffnung hat sich erfüllt.

Tierheime sind Aufgabe der Kommunen und Gemeinden. Die Landesebene hat hier kaum eine Zuständigkeit. Dennoch gab es eine Zeit, in der auch das Land Schleswig-Holstein Tierheime finanziell unterstützt hat. Im Jahr 2006 hat der Ministerpräsident Peter Harry-Carstensen im Zuge einer sehr schlechten finanziellen Lage des Landes diese Mittel für Tierheime allerdings gänzlich gestrichen. Mein Ziel war es, diese Mittel wieder zur Verfügung zu stellen. Bereits im Haushalt für 2018 ist uns das in einer Höhe von 350.000 € gelungen, also deutlich mehr als das Land damals gegeben hat. Mit dem Haushalt und mit Unterstützung des SSW ist es uns für den Haushalt 2019 sogar gelungen, diese Mittel noch einmal signifikant zu erhöhen. Für die Tierheime im Land ist das eine gute Zeit.

Selbstverständlich löst Geld nicht alle Probleme, aber das Fehlen von Geld kann viele Probleme schaffen. Durch die von uns zur Verfügung gestellten Mittel können endlich dringend notwendige Sanierungen und Neubauten finanziert werden. Nachbesserungen bei der Vergabe der Mittel werden künftig dennoch zu diskutieren sein. Aber auch mit dem Online-Tierhandel haben wir uns in den vergangenen Monaten viel beschäftigt, immerhin ist er oft die Ursache dafür, dass Tiere überhaupt im Tierheim landen.

Bei meiner Zeit in den Tierheimen sind mir zahlreiche hoch motivierte und kompetente Ehrenamtliche begegnet, ohne die dieses System nicht funktionieren würde. Es ist eine globale Seltenheit, dass es in Deutschland kaum dazu kommt, dass man mal einen streunenden Hund auf der Straße sieht. Der Grund dafür ist die flächendeckende Tierheimarbeit. Tierheime müssen sich immer flexibel auf aktuelle Herausforderungen einstellen können. Dafür ist auch Solidarität untereinander notwendig. Wenn plötzlich ein Anruf eingeht, dass „eine unbestimmte Anzahl von Katzen“ beschlagnahmt wurden, kann kein Tierheim diese Last allein tragen, sondern tut das in Kooperation mit anderen Tierheimen. Diese Vernetzung ist sehr entscheidend.

Es gibt aber auch Probleme. Viele Gemeinden zahlen für die Tiere zu wenig und das dann auch noch nur für 28 Tage. Oft bleibt ein Tier allerdings länger in Obhut des Tierheimes. Bei Tieren, die sichergestellt werden müssen, sieht es oft nicht anders aus. So kommt es dazu, dass eine Gemeinde für den Parkplatz eines sichergestellten Autos häufig mehr bezahlt, als etwa für einen sichergestellten Hund, der Futter, tierärztliche Betreuung und kompetente Aufmerksamkeit benötigt.

Die Tierheime in Schleswig-Holstein sind wichtig und wir haben sie gestärkt. Am Ende der Debatte sind wir damit noch nicht angekommen. Auch wenn ich künftig den Bereich Tierschutz, also auch die Belange der Tierheime, nicht länger bearbeiten werde, bleibe ich ein Freund dieser notwendigen Tätigkeit und wünsche den Tierheimen in Schleswig-Holstein noch viele weitere Schritte nach vorne und eine größere politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

Tierheime liegen zwar am Rande der Gemeinde, aber sie sind in der Mitte der Gesellschaft.

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