Die Währung des Teilens 
ist immer noch Hartgeld

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„Erhalt vor Neubau“, heißt die Maxime grüner Verkehrspolitik. Der Forderung wohnt der Gedanke der Nachhaltigkeit und der Ressourceneinsparung inne. Nutzen was man hat, statt Neukauf. Ähnlich ist auch eine wiederbelebte Idee des Wirtschaftens motiviert. Gemeinschaftlich teilen, statt individuell investieren. Der Gedanke ist natürlich absolut nicht neu, aber durch die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft wurden viele Hürden abgebaut. In unseren Smartphones tragen wir die Weite des Internets stets in unserer Hosentasche und sind so in der Lage, die Auswahl besser zu vergleichen und auch selber Angebote zu machen. Diese strukturellen Vorteile, verbunden mit dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit, weniger Überproduktion und eigenen Geldeinsparungen, ist zunächst eine gute Idee. In ihrer Realisierung ist die Share Economy allerdings mehr Economy, als Share.
Wie auf den meisten Märkten, setzen sich auch in der watteweichen Welt des Teilens die rücksichtslosen  Global Player durch. Sie verstehen sich als StartUps und nennen sich etwa Uber oder Airbnb. Dabei geht es ihnen in erster Linie um viel Geld und eine Idee. Eine Idee von einer vernetzten Welt, in der Flexibilität und Freiheit den Weg zum Glück ebnen. Letztlich sind es aber nichts als moderne Unternehmensgründungen, nur dass den Charme vom Macbook auf dem Palettenschreibtisch und dem Rennrad auf dem Flur versprühen sollen. Ihr Ziel ist allerdings die endgültige Kapitalisierung des Privaten.
Denn die Währung des Teilens ist immer noch Hartgeld. Das war nicht immer so, erste Pioniere der jüngeren Bewegung hatten tatsächlich die Gemeinschaft im Fokus. Die Seite couchsurfing.de, bei der man sich kostenlos einen Schlafplatz in aller Welt organisieren kann, startete als Projekt von ehrenamtlichen ProgrammiererInnen und anderen Freiwilligen. Heute ist es ein profitorientierter Internetgigant. Airbnb, eine Seite bei der man gleich seine ganze Wohnung vermieten kann, dominiert die Innenstädte von Metropolen weltweit. Sie treiben Mietpreise in die Höhe und lassen ihre KundInnen mit allen Risiken auf sich gestellt. Uber bietet eine Plattform für Menschen, die Taxidienste anbieten wollen. Inklusive dem Verzicht auf jegliche Arbeitnehmerrechte.
Die so praktizierte Share Economy verführt uns dazu, unser ganzes Leben zu kapitalisieren. Muss alles, was wir haben oder können, zu Geld gemacht werden?

Dieser kritische Zwischenruf zur Share Economy erschien in der “grünen welle”, das Magazin für Grüne in Schleswig-Holstein.

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