Wie geht es weiter mit dem Lehramt in Schleswig-Holstein?

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Wie geht es weiter mit dem Lehramt in Schleswig-Holstein?

Das Wichtigste im Überblick:

  • Wer zwei Sek-II-Fächer an der Europauniversität Flensburg studiert, kann auch weiterhin Lehrer*in an einem Gymnasiums werden – daran ändert sich nichts.
  • Das Lehramt in Flensburg wird künftig wieder „Lehramt an Gemeinschaftsschulen“ und an der CAU Kiel „Lehramt an Gymnasien“ heißen.
  • Die Europauniversität wird künftig auch das Fach „Darstellendes Spiel“ auf Sek-II-Niveau anbieten.

Die Diskussion um den sperrigen Begriff „Lehrkräftebildungsgesetz“ begleitet mich nun seit einigen Jahren. Vor genau vier Jahren nahm die Debatte in Schleswig-Holstein besonders fahrt auf, damals war ich Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität Kiel und die Küstenkoalition (SPD/GRÜNE/SSW) entschied sich nach einer Schulreform, aus der im Wesentlichen zwei Schulformen geschaffen wurden – Die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium, die beide zum Abitur führen können – auch das Lehramtsstudium dieser Reform anzupassen. Dazu sollte die Universität Flensburg wesentlich gestärkt werden, um künftig auch Lehrkräfte im Sek-II-Bereich auszubilden. Viele, auch ich, betrachteten das Schaffen von Doppelstrukturen in den Naturwissenschaften damals sehr kritisch. Auch im

Interview mit dem NDR zum Lehramt, 2014

Bildungshaushalt kann jeder Euro nur ein Mal ausgegeben werden, unsere Sorge war, dass folglich später an anderen Stellen gespart werden müsste. Dass es so nicht kam, war noch nicht absehbar.

Als AStA der Uni Kiel war es uns damals enorm wichtig, keinen Standort der Lehrkräfteausbildung in Frage zu stellen. Daher haben wir uns vom ersten Tag an eng mit dem AStA der Universität Flensburg abgesprochen und gemeinsam Position bezogen. Den Präsidien der beiden Universitäten gelang dies leider nicht, sie verfielen lieber in destruktivem Getöse. Nach einigen Krisengipfeln und aufgeregten Debatten gelang schließlich der Kompromiss und das Gesetz wurde umgesetzt. CDU und FDP waren indes die ganze Zeit gänzlich gegen die Reform und wollten sie am liebsten ganz Zurückbauen.

Nach der Landtagswahl haben dann Rasmus Andresen (2014 Hochschulpolitikscher Sprecher der Grünen Fraktion), Steffen Regis (2014 Referent im AStA der Uni Kiel, heute Landesvorsitzende der Grünen) und ich dann den Hochschulteil des Koalitionsvertrages verhandelt. Dass Änderungen des Lehrkräftebildungsgesetzes zur Diskussion stehen würden war allen Beteiligten klar, ebenso, dass die Verhandlungen an dieser Stelle besonders hart würden und das wurden sie auch. Etwa um 2 Uhr Nachts haben wir einen Kompromiss erreicht, den ihr im Koalitionsvertrag auf Seite 27 nachlesen könnt:

Das Lehrkräftebildungsgesetz wird weiterentwickelt, bleibt aber in wesentlichen Teilen erhalten. Wir wollen den beiden lehrkräftebildenden Universitäten die Entwicklung von Alleinstellungsmerkmalen ermöglichen, die die jeweiligen Stärken der Universitäten widerspiegeln. Daher wird auch in Zukunft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ein Lehramt an Gymnasien angeboten. Die Europa-Universität Flensburg wird ein Lehramt an Gemeinschaftsschulen auf Sekundarstufe I- und Sekundarstufe II-Niveau mit den Sekundarstufe II-Fächern Dänisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Geschichte, Kunst und visuelle Medien, Mathematik, Spanisch, Sport und Wirtschaft/Politik anbieten. Neu hinzu kommt das Fach Darstellendes Spiel auf Sekundarstufe II-Niveau. Die dafür erforderliche Professur mit Ausstattung werden wir zur Verfügung stellen. Als Kombinationen sind Sekundarstufe I/Sekundarstufe I-, Sekundarstufe I/Sekundarstufe II- oder Sekundarstufe II/Sekundar- stufe II-Fächer zulässig. Im Gegenzug entfällt das Lehramt für Sekundarschullehrer. Alle anderen im Lehrkräftebildungsgesetz aufgeführten Lehrämter verbleiben unverändert. Diese Neuregelung wird schnellst möglich gesetzgeberisch umgesetzt. Das Praxissemester bleibt erhalten. Der Vorbereitungsdienst dauert weiterhin 18 Monate. Für den Sekundarstufe II-Bereich  ndet die Ausbildung im Vorbereitungsdienst gemeinsam statt. Für die Gemeinschaftsschullehrerinnen und -lehrer mit Sekundarstufe I- Fächern wird ein getrennter Vorbereitungsdienst durchgeführt.

 

Und so wird es kommen. Wir Grüne stehen weiterhin zur Reform der Lehrkräfteausbildung aus der Küstenkoalition, kleinere Änderungen wird es dennoch geben. Für Studierende gibt es allerdings in ihren Möglichkeiten keinen substanziellen Unterschied. Das Sek-I-Lehramtsstudium in Flensburg wird ein „Lehramt für Gemeinschaftsschulen“, das Sek-II-Lehramt in Kiel ein „Lehramt für Gymnasien“. Wer aber in Flensburg zwei Fächer auf Sek-II-Niveau studiert, wird auch weiterhin eine Lehrkraft am Gymnasien werden können.

Dieser Kompromiss ist das Ergebnis schwieriger Verhandlungen und ich kann mit ihm leben. Auch die Europauniversität Flensburg wird hier und an anderer Stelle in ihrem Profil gestärkt. Die CAU Kiel hat wieder das heiß geliebte Türschild „Gymnasiallehramt“.

Dass der Philologenverband nun Schnappatmung bekommt, weil ihnen die Änderungen nicht weit genug gehen, kann ich nachvollziehen. Dass sie allerdings der Meinung sind, dass Studierende, die in Flensburg Mathematik studieren fachlich nicht in der Lage seien an Gymnasien zu unterrichten ist eine dreiste Anmaßung, die ich nur schwer erträglich finde.

Hier wird das Lehramt nicht wie in den letzten Jahren zum zigsten Mal einer breiten Reform unterstellt, es wird im Wesentlichen lediglich in den genannten Punkten geändert. Mit der Reform von 2014 wurden auch ein stärkerer Fokus auf Inklusion und Heterogenität in der Lehrkräfteausbildung gesetzt, dies hat sich als richtig erwiesen und wird auch nicht geändert. Die beiden Universitäten, Lehrende und Studierende haben ihre Studiengänge in den letzten Jahren in einem intensiven Prozess überarbeitet. Heute funktionieren die Lehramtsstudiengänge besser denn je und es gibt weder von Seiten der CAU noch aus Flensburg den Wunsch nach strukturellen Veränderungen. Es gibt keinen Anlass für große Ankündigungen, Rückabwicklungen oder Kehrtwenden.

Durch die nun folgenden Änderungen wird niemand überfordert oder gefährdet.

Bei weiteren Fragen meldet euch gerne via:
Mail – lasse.Petersdotter@gruene.ltsh.de
Twitter/Instagram/Facebook: @L_Petersdotter

 

Ps.: Die jetzt kommenden Änderungen sind ziemlich deckungsgleich mit dem, was Grüne bereits aus der Opposition heraus 2012 gefordert hatten.

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