Lasse Petersdotter
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August 2020
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#refugeeswelcome, aber #bildbleibtscheisse

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„Wir wollen zeigen, dass Schreihälse und Fremdenhasser NICHT in unserem Namen grölen!“, schreibt die BILD heute auf ihrer Seite drei. Dieses Statement soll von einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne begleitet werden. Unter dem Hashtag #refugeeswelcome sollen Leser*innen, Prominente und Politiker*innen erzählen, wie sie Geflüchteten in Deutschland helfen. Das ist auch der Titel der Aktion: „WIR HELFEN“. Dabei wird dazu aufgerufen, das beigelieferte Logo auszudrucken und in die Kamera zu halten. Eigentlich ganz ähnlich wie die letzte Kampagne der BILD, als sie, begleitet von radikaler Hetze gegen Griechenland, dazu aufriefen, die Titelseite der BILD – auf der damals ein „NEIN!“ in Capslock prangte – zu fotografieren, um gegen weitere Geldversprechungen gen Griechenland zu demonstrieren.BilddirdeineHetze

Damals passte dieses Verhalten allerdings ins Bild der BILD. Über einige Wochen hatten sie schließlich intensiv gegen die „Pleite-Griechen“ gehetzt. Die BILD ist zielgerichtet gegen die „gierigen Griechen“ vorgegangen und veruschte nicht einmal mehr den Schein der Rolle der Beobachtenden und Berichtenden einzunehmen. Es wurde eine Kampagne gefahren.
So auch heute, wenn die BILD dazu aufruft, die Bürger*innen zu motivieren, „selbst etwas zu tun, vor Ort, in der eigenen Nachbarschaft, zu Hause“. Dann möchte die BILD natürlich gerne die Entwicklungen dokumentieren, begleiten und möglichst viele Menschen beim Helfen zeigen. Und tatsächlich hat die BILD in den letzten Tagen einige Möglichkeiten genutzt, sich klar gegen die rechte Hetze aus Heidenau zu positionieren. So gut das auch klingt, es bleibt die BILD und #bildbleibtscheisse !

Kaum eine Zeitung hat sich in den letzten Jahrzehnten so intensiv am Hass und der Hetze gegen Ausländer*innen und Muslim*innen beteiligt, wie die meist gelesene Zeitung Deutschlands. Und sie hat an diesem Hass verdient. Sie verkündete „die bittere Wahrheit über Ausländer und Hartz IV“ und „die Wahrheit über kriminelle Ausländer“. Sie setzte Roland Koch auf die Titelseite, wenn er sagte: „Wir haben zu viele junge kriminelle Ausländer!“ und bediente sich auch sonst zu gerne an „der Wahrheit“, etwa der „Wahrheit über Roma in Deutschland“.

Der Richtungswechsel stinkt nach billigem Kampagnenjournalismus aus Imagegründen. Er rangiert unter einer Kategorie mit Julia Klöckner, die vor wenigen Tagen Hochglanzbilder in einer Unterkunft für Geflüchtete schießen ließ. Und natürlich ist die CDU-Vize auch eine der erste Unterstützer*innen der BILD-Kampagne. Neben dem wohl perfekte Maskottchen der Aktion: Vize-Kanzler Sigmar Gabriel. Der Gabriel, der vor wenigen Wochen noch zu mehr Patriotismus aufrief und der islamfeindlichen PEGIDA-Bewegung die Hand zum Dialog reichte. Heute hält er stolz ein Blatt Papier mit der Aufschrift „Wir helfen!“ in die BILD-Kamera.

Die ehrenamtliche Unterstützung in den Unterkünften ist überwältigend. Viele Menschen möchten sich engagieren und finden ihre Rolle, um in der aktuellen Situation etwas sinnvolles beizutragen. Fehlende Hilfe ist nicht das akute Problem, es sind die rassistischen Arschlöcher, gegen die wir als Gesellschaft vorgehen müssen. Und genau für diese Arschlöcher, die in Heidenau, Freital und Dresden auf die Straße gehen, war die BILD in den letzten Jahren immer wieder Stichwortgeberin. Vielleicht grölen die „Schreihälse und Fremdenhasser“ heute nicht im Namen der BILD, aber die BILD schrieb über Jahrzehnte in ihrem Namen!

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